Curate Marcel Wouters icoon Objectives, eine Vision des Museums

Objectives, eine Vision des Museums

Dezember 2013

Curate, eine einzigartige Auszeichnung ins Leben gerufen durch Fondazione Prada und die Qatar Museums Autorität, ist eine weltweite Suche nach kuratorischen Talent. Wir haben die Idee ‘Objectives’ eingereicht.

Curate, eine einzigartige Auszeichnung ins Leben gerufen durch Fondazione Prada und die Qatar Museums Autorität, ist eine weltweite Suche nach kuratorischem Talent. Wir haben die Idee ‘Objectives’ eingereicht.

Die Objektive ist ein Ort, an dem Objekte aus verschiedenen Winkeln betrachtet werden können, und von den Besuchern in unterschiedlichen Kontexten werden können. Aber vorzugsweise ein Ort, an dem Objekte angezeigt werden. Mit abgetrennter, umfangreicher Datenbank, in die jeder in der Welt etwas eintragen kann, zur behaupteten Identität des Objektes.

Museumsbesucher betrachten Museen immer noch als wissenschaftlich integer und als zuverlässigste historische Informationsquelle. Die alleinige Ausstellung von Objekten reichte jedoch nicht länger aus, und wir, die Ausstellungsmacher, erschienen auf der Bühne. Wir gruppierten Objekte nach Themen und suchten Anekdoten, um die Objekte mehr in die Erlebniswelt der Besucher zu integrieren. Schnell stand das Thema der Ausstellung zentral und wir setzten die Objekte als Illustrationen zur Geschichte ein.

Im Allgemeinen hat sich in den letzten Jahrzehnten die Aufmerksamkeit von den Objekten selbst zur betreffenden Präsentationsweise bzw. zur Erlebnisweise seitens des Publikums der Objekte und des Museums verlagert. Während zuerst die Gegenstände wichtig waren, stehen heute in den meisten Museen Reflexion und Interpretation zentral. Die Wahrheit hat jedoch viele Versionen. Wissen ist zeitgebunden, kontextabhängig und in die Subjektivität des Kenners eingebettet.

Bis vor kurzem dachte ich, dass – wenn wir Objekte aus dem Depot benutzten und diese nach dem Ende der Ausstellung zurückbrachten – nichts passiert war. Erst jetzt bin ich mir dessen bewusst, dass die Perspektive und der zeitliche Rahmen, in die wir Objekte einordnen, das Bild von Zukunft und Vergangenheit der Besucher erheblich beeinflussen können. Da wir Objekte in einer bestimmten Ordnung in einen Raum stellen und damit eine Geschichte erzählen, ändern wir die Interpretation der Objekte in der Zeit und verleihen der Identität der Objekte einen bleibenden Mehrwert. Einmal gesammelte neue Erfahrungen können nie ausgelöscht werden. Ihre Realität und das, was sie in uns bewegt haben, tragen wir auf immer mit uns mit.

Museumsausstellungen über die Vergangenheit sagen deshalb vielleicht mehr über das aktuelle Zeitbild als über das damalige Zeitbild aus. Wäre es dann auch nicht logisch, in Zukunft Objekte in ihrem Kontext aufzubewahren, beispielsweise, indem eine virtuelle Abspiegelung der Ausstellung gespeichert wird? In diesem Fall müsste ein Museum neben einer materiellen Sammlung systematisch eine intellektuelle Sammlung zusammenstellen. Die intellektuelle Sammlung müsste eine reiche Quellensammlung sein, die genauso wissenschaftlich vertretbar wie die physische Sammlung ist. Mehr noch: Die physische und die intellektuelle Sammlung kommen heute nicht mehr ohne einander aus.

Alle sind sich über eins einig: Die Sammlung ist das Herz eines Museums. Die Objekte stehen zentral. Die Präsentation und die Deutung dieser Objekte basieren jedoch zunehmend auf Medien.

Die authentischen Gegenstände haben mittlerweile viele Interpretationen, pädagogische Informationsschichten und Kontexte aus verschiedenen Zeiten. Die Beobachtung eines Objekts ist vielmehr eine relative als eine absolute Angelegenheit geworden.

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